Wir haben nur Heizöl im Kopf

Straße von Hormus bleibt ein Risikofaktor: Heizölpreise unter geopolitischem Druck

22.10.26

Friedensgespräche zwischen den USA und Iran bleiben unsicher
Nachdem der Iran zu Wochenbeginn eine mögliche schnelle Öffnung der Straße von Hormus im Zusammenhang mit zeitnahen Friedensgesprächen in Aussicht gestellt hatte, folgte bereits kurz darauf ein neuer Rückschlag. Teheran erklärte, zunächst müsse Washington die iranischen Forderungen eindeutig erfüllen, bevor direkte Gespräche zwischen beiden Ländern überhaupt wieder aufgenommen werden könnten.

Die fehlenden Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen sorgten am Ölmarkt für neue Unsicherheit. Zuvor erzielte Preisnachlässe vom Dienstag wurden dadurch wieder zunichtegemacht. Die Aussicht auf eine baldige Entspannung der Lage im Nahen Osten bleibt damit begrenzt.

Tankerangriffe in der Straße von Hormus nehmen zu
Auch die tatsächliche Entwicklung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus gibt weiterhin Anlass zur Sorge. Während die USA wiederholt erklären, dass sich die Passage zunehmend normalisiere und die Öltransporte inzwischen rund 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht hätten, zeichnen Trackingdaten und Schadensmeldungen ein anderes Bild.

In den vergangenen beiden Wochen sollen mindestens 18 Tanker in der Region angegriffen und teilweise erheblich beschädigt worden sein. Zudem wurde am Dienstag über den iranischen Staatssender IRIB berichtet, dass ein weiterer Tanker durch eine Seemine beschädigt worden sei. Genauere Angaben zu dem Zwischenfall lagen zunächst nicht vor.

Die anhaltende Reihe von Zwischenfällen scheint sich auch unmittelbar auf den Schiffsverkehr auszuwirken. Daten des Analyseunternehmens Vortexa zufolge ist die Zahl der Durchfahrten zuletzt wieder deutlich zurückgegangen. Demnach wurden in den ersten 20 Tagen des Oktobers durchschnittlich rund 9,1 Millionen Barrel Rohöl pro Tag durch die Meerenge transportiert. Dieser Wert liegt deutlich unter den Angaben der US-Regierung.

Zwar könnten in der Erhebung einzelne Schiffe nicht berücksichtigt worden sein, sodass spätere Aufwärtskorrekturen möglich bleiben. Eine Angleichung an die deutlich höheren US-Angaben gilt dennoch als unwahrscheinlich. Damit bestehen weiterhin erhebliche Zweifel daran, ob sich der Öltransport durch die wichtige Handelsroute tatsächlich nachhaltig erholt hat.

Heizölpreise geben leicht nach
Die kurzfristigen Preisnachlässe vom Dienstagnachmittag fielen nur vorübergehend aus. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit im Nahen Osten und der allgemein hohen Marktvolatilität wurden die Verluste schnell wieder ausgeglichen. Für die Heizölpreise in Deutschland werden derzeit dennoch leichte Rückgänge erwartet.

Gegenüber Dienstagvormittag können sich für Verbraucher Preisvorteile von etwa 0,10 bis 1,10 Euro je 100 Liter ergeben. Die tatsächliche Entwicklung bleibt jedoch von den weiteren geopolitischen und markttechnischen Veränderungen abhängig.

Unsicherheit hält den Heizölmarkt unter Druck
Die Lage an der Straße von Hormus bleibt ein wesentlicher Risikofaktor für den internationalen Ölmarkt. Solange Tankerangriffe anhalten, der Schiffsverkehr deutlich hinter den Vorkriegswerten zurückbleibt und eine diplomatische Verständigung zwischen den USA und dem Iran aussteht, besteht die Gefahr erneuter Preisschwankungen.

Für Heizölkäufer bedeutet dies, dass kurzfristige Preisrückgänge nicht zwangsläufig auf eine nachhaltige Entspannung hindeuten. Fortschritte bei den Friedensgesprächen und eine verlässliche Normalisierung der Öltransporte könnten den Markt entlasten. Bleiben diese aus oder verschärft sich die Sicherheitslage weiter, können die Preise erneut unter Aufwärtsdruck geraten. Die aktuellen Preisangaben sind daher als Momentaufnahme zu verstehen.

1 USD = 0,8903€
Stand: 22.10.2026, nächstes Update: 23.10.2026

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